Zusammenfassung
Eine gründliche Überprüfung von Semax, dem synthetischen Heptapeptid-Analog von ACTH(4-10), das in Russland entwickelt wurde, mit Schwerpunkt auf seiner Molekularstruktur, neurotrophischen Mechanismen, klinischen Anwendungen bei Schlaganfall und kognitiver Verbesserung sowie dem regulatorischen Umfeld.
Semax ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro, das als stabilisiertes Analog des Adrenocorticotropin-Hormon-Fragments ACTH(4-10) entwickelt wurde. Ursprünglich in den 1980er Jahren am Institut für Molekulargenetik der Russischen Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Nikolai Myasoedov entwickelt, wurde Semax geschaffen, um die nootropen und neuroprotektiven Eigenschaften von ACTH-Fragmenten zu erfassen und gleichzeitig ihre hormonellen (steroidogenen) Effekte zu eliminieren.
Das Molekulargewicht von Semax beträgt etwa 813 Dalton. Der Wirkmechanismus von Semax ist vielschichtig. Im Kern fungiert Semax als potenter Modulator neurotrophischer Faktoren. Forschungen haben gezeigt, dass Semax die Expression des brain-derived neurotrophic factor (BDNF) in mehreren Gehirnregionen, darunter Hippocampus, Frontalkortex und basales Vorderhirn, signifikant hochreguliert. BDNF ist für das neuronale Überleben, synaptische Plastizität und Gedächtniskonsolidierung entscheidend.
Eine der am umfangreichsten untersuchten klinischen Anwendungen von Semax ist der ischämische Schlaganfall. Russische klinische Studien mit über 300 Patienten zeigten, dass intranasales Semax bei 12 mg pro Tag während der akuten Phase des ischämischen Schlaganfalls die neurologischen Ergebnisse signifikant verbesserte. Kognitive Verbesserung stellt einen weiteren Hauptbereich der Semax-Forschung dar. Studien bei gesunden Freiwilligen zeigten Verbesserungen bei Aufmerksamkeit, Gedächtniskonsolidierung und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit nach intranasaler Semax-Verabreichung.
In der Ophthalmologie wurde Semax für Sehnervenkrankheiten untersucht, insbesondere bei glaukomatöser Neuropathie. Eine Studie bei Patienten mit Offenwinkelglaukom im Frühstadium zeigte, dass intranasales Semax Gesichtsfeldparameter und Retinale Ganglienzellenfunktion verbesserte.
Das Sicherheitsprofil von Semax ist bemerkenswert günstig, basierend auf dem umfangreichen klinischen Einsatz in Russland seit seiner Zulassung im Jahr 2001. Semax erhielt 2001 die behördliche Zulassung in Russland und ist als 0,1-prozentige und 1-prozentige intranasale Lösung unter dem Handelsnamen Semax erhältlich. Es hat keine behördliche Zulassung in den USA, der Europäischen Union oder anderen westlichen Ländern erhalten, wo es als Forschungschemikalie eingestuft ist.
